WISSBE GIERIG
Ein Blick in die faszinierende Welt der Imkerei
Die Imkerei ist ein beeindruckendes Zusammenspiel aus Natur, Biologie und präziser Handarbeit. Vom Erwachen der ersten Winterbienen im Frühling bis zum goldgelben Honig im Glas begleiten wir ein Bienenvolk durch sein gesamtes Jahr. Jede Phase – vom Wabenbau über Brutpflege, Wachskreislauf und Honigernte – folgt natürlichen Abläufen, die seit Millionen Jahren bestehen. Gleichzeitig sorgt der Imker mit Erfahrung und Sorgfalt dafür, dass die Bienenvölker gesund bleiben, genug Nahrung finden und hochwertige Produkte entstehen. Hier erfährst du Schritt für Schritt, wie ein Bienenjahr aussieht und wie aus tausenden fleißigen Flügeln wertvolle Naturprodukte entstehen.
Der Start ins Bienenjahr: Frühlingserwachen
Im Frühling erwacht das Bienenvolk zu neuem Leben. Winterbienen haben das Volk sicher durch die kalte Zeit gebracht, nun sorgen frische Pollenquellen für Kraft und Eiweiß. Weide, Hasel und Erle liefern das erste „Frühstück“ des Jahres. Nur wenn ausreichend Pollen zur Verfügung stehen, kann sich ein kleines Volk innerhalb weniger Monate auf bis zu 60.000 Bienen entwickeln. Der Frühling bestimmt damit die Grundlage für die gesamte Saison.
Die Königin: Herz und Motor des Bienenvolks
Die Königin ist das zentrale Lebewesen des Bienenvolks. Sie hält die Volksharmonie durch Duftstoffe aufrecht und legt in Hochzeiten bis zu 2.000 Eier pro Tag – ihr eigenes Körpergewicht! Ihre Entwicklung unterscheidet sich nur durch die Fütterung mit Gelee Royale, wodurch sie mehrere Jahre alt werden kann. Eine gesunde, leistungsstarke Königin entscheidet über Stärke, Sanftmut und Zukunft des gesamten Bienenvolks.
Arbeiterinnen: Die wahren Heldinnen im Stock
Arbeiterinnen bilden das Rückgrat jedes Bienenstaats. Sie reinigen den Stock, pflegen Larven, bauen Waben, sammeln Nektar, verteidigen den Eingang und steuern die Temperatur. In nur sechs Wochen arbeiten sie sich buchstäblich zu Tode, während täglich Tausende neue Schwestern schlüpfen. Sie sind ein Wunder der Evolution – perfekt organisiert, hochkommunikativ und unverzichtbar für Brut, Honigertrag und das Überleben des gesamten Bienenvolks.
Drohnen: Die unterschätzten Bienenmänner
Drohnen entstehen aus unbefruchteten Eiern und haben eine einzige Aufgabe: die Begattung einer Jungkönigin. Sie sammeln weder Honig noch Pollen und lassen sich von Arbeiterinnen füttern. Im Spätsommer jedoch beginnt die sogenannte Drohnenschlacht. Da sie im Winter nicht benötigt werden, werden die männlichen Bienen konsequent aus dem Volk gedrängt. Ein natürlicher Prozess, der den Wintervorrat schützt und das Volk stabil hält.
Wachsqualität: Das Fundament der Bio-Imkerei
Reines, rückstandsfreies Bienenwachs ist ein Kernprinzip biologischer Imkerei. Da Wachs Fett bindet, können Schadstoffe über Jahre gespeichert bleiben – etwa Rückstände der Varroabehandlung. Durch einen geschlossenen Wachskreislauf, jährliche Reinigung und Laboranalysen wird sichergestellt, dass nur unbelastetes Wachs in den Völkern genutzt wird. Diese Sorgfalt bildet die Grundlage für gesunde Bienen und höchste Honigqualität.
Wachstum im Sommer: Wenn das Volk explodiert
Im Frühsommer erreicht das Volk rasant seine maximale Stärke. Täglich schlüpfen rund 1.500–2.000 Bienen, sodass bereits nach wenigen Wochen neue Zargen aufgesetzt werden müssen. Ein Bienenstock kann sich in kurzer Zeit verdreifachen. Diese Phase erfordert präzise Arbeit vom Imker: rechtzeitig Platz schaffen, Material vorbereiten und dafür sorgen, dass das Volk ungestört weiterarbeiten kann. Jetzt sammelt es die größte Menge an Nektar.
Der Weg des Honigs: Von der Blüte ins Glas
Nur reifer Honig wird geerntet, das heißt, nur die Überschüsse, niemals die Lebensgrundlage der Bienen. Nach der Schleuderung wird der Honig nur gesiebt, nicht technisch filtriert. Über mehrere Tage klärt er sich, bevor er kühl, dunkel und luftdicht gelagert wird. Jede Charge wird im Labor analysiert, bevor sie ins Glas kommt. Diese Sorgfalt garantiert naturbelassenen Honig höchster Qualität.
Herbst & Winter: Die Kraft der Winterbienen
Wenn die Tage kürzer werden, fährt auch das Bienenvolk seine Brutleistung zurück. Aus Tausenden kurzlebigen Sommerbienen entstehen nun langlebige Winterbienen, die den Stock über Monate warm halten. Die Königin reduziert ihre Eiablage auf wenige Eier pro Tag und stoppt sie schließlich komplett. Die Wintertraube sorgt dafür, dass die Temperatur im Inneren konstant bleibt – ein beeindruckendes Beispiel für kollektive Intelligenz.
Bio-Imkerei: Verantwortung für Natur & Qualität
Bio-Imkerei bedeutet weit mehr als Honigproduktion. Sie verpflichtet zu nachhaltigen Haltungspraktiken, regelmäßigen Kontrollen, rückstandsfreien Materialien und naturnahen Standplätzen. Krankheiten werden schonend und biologisch behandelt, Eingriffe erfolgen nur so viel wie nötig. Durch laufende Dokumentation und Laboranalysen wird Transparenz geschaffen – für gesunde Bienenvölker und hochwertige Produkte, denen man vertrauen kann.